Campuslinie: Kompromiss für Verkehrsführung zwischen Nürnberger Ei und Wasaplatz in Dresden. Neue Variante bringt Vorteile für ÖPNV, Kfz- und Radverkehr, womit Dresden (…mehr)

Campuslinie: Kompromiss für Verkehrsführung zwischen dem Nürnberger Ei und Wasaplatz in Dresden.
Neue Variante bringt Vorteile für ÖPNV, Kfz- und Radverkehr, womit Dresden Förderfähigkeit für das Gesamtprojekt vom Bund erhält.

Von Dr.h.c. Bernhard Heck

Die Neue Vorzugslinie für dem Abschnitt drei der Campuslinie Nürnbergerplatz zum Wasaplatz im Fokus. Baubürgermeister Stephan Kühn (rechts) und Andreas Hemmersbach, Vorstand Mobilität bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB), haben mit Simone Prüfer (Stadt Dresden) die Anpassungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorgestellt. © ddn/Heck

In der Stadtratssitzung sowie den Gremienfachberatungen zur Campuslinie (Abschnitt 3: Zellescher Weg – Wasaplatz) wurden am 15. April 2026 neue Lösungen für die Verkehrsführung am Wasaplatz im Zuge der „Campuslinie“ im Abschnitt drei, die Untersuchungsergebnisse zu alternativen Varianten für das Nadelöhr Caspar-David-Friedrich-Straße/Wasaplatz vorgestellt. Die Vorlage V2748/25 behandelt insbesondere die Frage, wie die Straßenbahn in den engen Straßenraum integriert werden kann, ohne die historische Bausubstanz oder die Vorgärten der Anwohner zu beeinträchtigen.

Die Campuslinie ist wichtigstes ÖPNV-Projekt mit dem Ziel die Universität besser zu erreichen.

Ziel: Campus der TU Dresden mit den Straßenbahnlinien 7 und 4 erschließen. Zusätzlich sollen neue Direktverbindungen aus Innenstadt sowie von Gorbitz, Löbtau, Reick inclusive dem Wissenschaftsstandort Ost und Prohlis zur Universität schaffen und die Buslinie 61 entlasten. Längerfristig soll auch die Anbindung der Bundesgartenschau 2033 zu den Standorten im Blickpunkt stehen. Effekte: Wirtschaftlicherer ÖPNV nachhaltig verbessern. Zusätzliche Erlöse durch 1,35 Mio. neue Fahrgäste pro Jahr und mit weniger Busverkehr werden Betriebskosten reduziert und nachhaltig 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Dazu sagte Stephan Kühn, Baubürgermeister Stadt Dresden:“ Wir müssen das Planfeststellungsverfahren bis 2027 beantragen, deshalb sind auch die Anwohner nicht durch Aufkaufkonzepte der Vorgärten in der Streckenführung machbar“.

Zentrale Ergebnisse & Vorzugsvariante
Die Stadtverwaltung favorisiert eine Kompromisslösung, die sowohl die Leistungsfähigkeit der Verkehrswege als auch den Erhalt des Stadtbildes berücksichtigt. Geplant ist, die Straßenbahn auf überfahrbaren Gleisen zu führen, sodass der Straßenraum effizienter genutzt wird. Autos, Busse und Bahnen sollen künftig je Richtung eine gemeinsame Fahrspur („Mischverkehr“) nutzen, wodurch Platz für Radverkehrsanlagen geschaffen wird. Ein separater Gleiskörper wird zugunsten des Erhalts der charakteristischen Vorgärten im Viertel aufgegeben. Als weitere Maßnahme ist die Sperrung der Lockwitzer Straße stadteinwärts für den motorisierten Individualverkehr vorgesehen, um den komplexen Verkehrsknoten Knoten am Wasaplatz zu entlasten. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der beste Kompromiss für alle Verkehrsarten so aussieht:

  • Kfz-Verkehr/ÖPNV im Mischverkehr in der Caspar-David-Friedrich-Straße zugunsten der Einrichtung einer Radverkehrsanlage
  • Herausnahme des Kfz-Verkehrs aus der Lockwitzer Straße in Richtung Innenstadt (vergleichbar Haltestelle Kesselsdorfer Straße)
  • Erhalt des Kfz-Verkehr-Linksabbiegestreifens in der Caspar-David-Friedrich-Straße in die Wasastraße
  • Öffnung der Lannerstraße für den Kfz-Verkehr in beide Fahrtrichtungen
  • Einrichtung der Radverkehrsanlage Heinrich-Zille-Straße in Richtung Lockwitzer Straße und Radroute TU Dresden – Großer Garten/Striesen (bereits beschlossen)

Kritikpunkte der Alternativuntersuchung
Die vorgeschlagenen Varianten haben zu politischen Diskussionen geführt, da jede Lösung erhebliche Auswirkungen auf den Verkehrsfluss hat. Kritiker befürchten insbesondere, dass durch die Neuordnung am Wasaplatz der Kfz-Verkehr verstärkt in die Nebenstraßen, wie etwa die Heinrich-Zille-Straße, verdrängt wird. Die Kapazität für Autos bleibt ein Streitpunkt, da die Caspar-David-Friedrich-Straße den Übergang vom vierspurigen Zelleschen Weg zum engen Ortskern bildet.

Weiteres Vorgehen
Die Vorlage wurde im Frühjahr 2024 bereits in den Gremien diskutiert, musste jedoch aufgrund von Änderungsanträgen, insbesondere von CDU und Grünen, zur Detailplanung von Radwegen und Parkplätzen vertagt werden. Nach aktuellem Stand (Frühjahr 2026) sollen die detaillierten Ergebnisse in den Planfeststellungsantrag bis zum Frühjahr 2027 einfließen. Die Inbetriebnahme des betreffenden und baulich ambitionierten Abschnitts wird frühestens für das Jahr 2031 erwartet.

Für die 2,8 Kilometer lange Straßenbahn-Neubaustrecke zwischen dem Nürnberger Ei und dem Wasaplatz sind ein besonderer Bahnkörper in Mittellage, eine überbreite Fahrspur in jeder Richtung und vor allem auf dem Zelleschen Weg breite Fuß- und Radwege vorgesehen. © DVB/Landeshauptstadt Dresden

Das Projekt Campuslinie
Die Campuslinie soll als neue Straßenbahnverbindung die Technische Universität Dresden mit den Straßenbahnlinien 7 und 4 erschließen und so die Buslinie 61 entlasten. Gleichzeitig verbindet sie den künftigen „Wissenschaftsstandort Ost“ mit dem Campus der TU Dresden und spielt auch mit Blick auf die Bundesgartenschau 2033 eine wichtige Rolle für die Verkehrsentwicklung im Dresdner Süden. Dafür ist entscheidend, dass sowohl der Abschnitt von der Nossener Brücke über die Nürnberger Straße als auch der Abschnitt vom Zelleschen Weg bis zum Wasaplatz gebaut werden. Nur dann ist auch die Förderfähigkeit des Gesamtprojekts gesichert. Für die beiden Abschnitte wurden Bundesmittel in Höhe von 129,6 Millionen Euro sowie ergänzende Landesmittel von 15,7 Millionen Euro beantragt.

Weitere Informationen: www.dresden.de/campuslinie

© Titelfoto: ddn/Heck