Stadtrat entscheidet sich für Fhecor/TSSB: So wird der spanische Entwurf Fhecor/TSSB für die neue Carolabrücke mit acht Stimmen mehr zum Zankapfel
Von Dr. h.c. Bernhard Heck
Der Dresdner Stadtrat folgte beim Ersatzneubau der Carolabrücke dem Bürgervotum und beauftragt das Planungsteam Fhecor/TSSB mit knapper Mehrheit von acht Stimmen. Die Entscheidung fällte der Dresdner Stadtrat GEGEN die Empfehlung von Fachleuten, Begleitgremium und Stadtverwaltung – und trotz offener, bekannter Genehmigungsrisiken.
(Dresden): Die Entscheidung über den Ersatzneubau der Carolabrücke ist gefallen: Der Dresdner Stadtrat hat sich mit 39 zu 31 Stimmen für den Entwurf des Planungsteams Fhecor/TSSB nach fast zweieinhalbstündiger engagierter Debatte durch alle Stadtratsabgeordnete und Parteien ausgesprochen. Damit setzte sich der Favorit der Bürgerbeteiligung gegen den von Fachgremien und Stadtverwaltung empfohlenen Entwurf von Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) mit Knight Architects durch. Der nun ausgewählte Fhecor/TSSB-Entwurf gilt zugleich als genehmigungsrechtlich anspruchsvoller. Fachleute halten es für möglich, dass ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren erforderlich werden könnte. Das könnte Zeitplan und Kosten belasten. Nach bisheriger Planung sollte der Neubau im Mai 2028 beginnen.
Für Fhecor/TSSB stimmten das infrastrastrukturelle Bündnis der Stadträte aus AfD/CDU, Team Zastrow(TZ) FDP/Freie Bürger sowie ein fraktionsloses Ratsmitglied. SPD, Grüne, Linke, BSW und die PVP-Fraktion votierten dagegen. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sprach sich für den LAP-Entwurf aus.
 
BU: Nach hitziger Debatte über mehrere Stunden entschied der Stadtrat Dresdens für die neue Carolabrücke den Entwurf von Fhecor/TSSB.
Zwei-Spuren-Variante findet keine Mehrheit im Stadtrat Dresden
Ein gemeinsamer Ersetzungsantrag von SPD, Grünen und Linken, den LAP-Entwurf auf zwei Autospuren zu begrenzen, fand keine Mehrheit. Nach Berechnungen der Antragsteller hätte diese Variante die Baukosten um rund 30 Millionen Euro senken können.
Mit der Entscheidung folgt der Stadtrat dem Ergebnis der repräsentativen Bürgerbeteiligung „carolaVOTE“, also optisch und nicht wirklich nach fachlicher Kenntnis. Hier hatte der Entwurf von Fhecor/TSSB unter vier Varianten den ersten Platz belegt. Fachlich war dagegen LAP vorn: Sowohl das Expertengremium als auch das Begleitgremium und die Verwaltung sowie auch Univ.-Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx als der Experte für Brücken an der TU Dresden hatten diesen Entwurf empfohlen.
Entscheidung in angespannter Haushaltslage der Stadt Dresden
Die Brückenentscheidung fiel an dem Sitzungstag, an dem Oberbürgermeister Dirk Hilbert zuvor den Entwurf des städtischen Doppelhaushalts eingebracht und vor der äußerst schwierigen Finanzlage Dresdens gewarnt hatte. Damit rückt neben der Gestaltung und dem Genehmigungsweg auch die Kostenentwicklung des Großprojekts in den Mittelpunkt.


Weiter unterlegene Planungsbüros verweisen auf dokumentierte Genehmigungsrisiken
Beim unterlegenen Planungsteam LAP fiel die Reaktion zurückhaltend aus. „Diese Entscheidung ist nicht die, die wir uns erhofft hatten“, sagte Tobias Mansperger, Brückenexperte und Prokurist bei LAP: „Wir respektieren die Entscheidung. Die angesprochenen Risiken beim Siegentwurf sollten jedoch sorgfältig geprüft werden.“
Mit Blick auf die offenen Fragen wurde am Rande der Stadtratssitzung bekannt, dass das drittplatzierte Münchner Planungsbüro Grassl eine fehlerhafte Umsetzung der Ausschreibungsvorgaben prüfen lässt und rechtliche Schritte erwägt. Grundlage ist offenbar ein von der Stadt beauftragtes Rechtsgutachten, in dem Mängel analysiert werden. Der Leiter des Planungsbüros Grassl, Dr. sc. Hans Grassl, behält sich vor, nach der Entscheidung einen Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer zu stellen. Ein solches Verfahren könnte den von der Stadt vorgesehenen Zeitplan nach der Vergabe an Fhecor/TSSB beeinflussen.
Die Genehmigungsrisiken des Entwurfs von Fhecor/TSSB sind damit nicht neu; sie wurden von der Stadt selbst dokumentiert. Klar ist: Mit der heutigen Entscheidung verschwinden diese Risiken nicht, sondern gehen in die weitere Planung über. Dies könnte den Baustart des Ersatzneubaus verzögern.
Es bleibt abzuwarten, wie der neu geplante Strompfeiler der Siegerbrücke in der Elbe von den Behörden aufgenommen wird. Hier könnet auf Grund der neuen Vorgaben des Bundesfernstraßen-Gesetz Paragraph 17 Artikel 2, Nr. 2 vom 27. August 2026 auf das Planungsteam Fhecor/TSSB ein zuvor zu vermeidendes Planfestellungsverfahren in Betracht kommen, auf Grund dessen, dass die Bundestraße 170 über die neue Carolabrücke 3.0 führen wird!
Deshalb birgt der beschlossene Siegerentwurf ein hohes Konfliktpotenzial für die neue Brücke. Wie bekannt, hatte sich Dresdens Stadtrat als interfraktionelles Bündnis aus AfD/CDU/TZ/FDP-FP mehrheitlich für den Entwurf Fhecor/TSSB entschieden. Genau dieser Entwurf (von der Bevölkerung favorisiert, von Experten kritischer gesehen) birgt rechtliche Grauzonen bezüglich der Genehmigungspflicht.
So müssen die gesetzlich geforderten UVP-Maßnahmen (Umweltverträglichkeitsprüfung für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und Sicherheit oder auch Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen) gerade in Bezug auf ein erneutes mögliches Hochwasser zwingend vor dem offiziellen Baustart (bis Mai 2028) rechtskräftig festgelegt und genehmigt sein. Da der Dresdner Stadtrat das Planungsbüro fHECOR/TSSB mit der Ausarbeitung beauftragt hat, läuft dieses Verfahren parallel zur technischen Ausarbeitung der Brücke in fest definierten Phasen ab.
Phase 1: Konkretisierung im Rahmen der Entwurfsplanung (Bis Anfang 2027)
Phase 2: Das Genehmigungsverfahren (Frühjahr bis Herbst 2027)
Phase 3: Umsetzung und Monitoring (Ab Mai 2028)
So soll es mit der Planung nach dem Brückenvotum vom 3. September 2026 weiter gehen
Noch im September 2026 soll das ausgewählte Team mit der nächsten Planungsstufe beauftragt werden. Bis zum Baustart der Brücke ein umfangreiches Verfahren (wie beispielsweise die UVP oder Naturschutz) durchlaufen, ohne dass diese Behörden die Planfeststellungsbefreiung anzweifeln (!): Der Entwurf muss zusätzlich technisch vertieft, mit Behörden und Versorgungsträgern abgestimmt und schließlich bis zur Ausschreibungsreife ausgearbeitet werden.
Zunächst wird die Vorplanung abgeschlossen. Bei Ingenieurbauwerken umfasst diese Leistungsphase nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) einen erheblichen Anteil der Gesamtplanung. Anschließend wird der ausgewählte Entwurf in der Entwurfsplanung konkretisiert.
Im Mittelpunkt stehen dann unter anderem Tragwerk und Statik, Straßenaufbau, Entwässerung sowie die fortgeschriebene Kostenberechnung. Parallel müssen die Fachplanungen für Fernwärme, Beleuchtung und die Fahrleitungsanlage der Straßenbahn aufeinander abgestimmt werden.
Liegt der genehmigungsreife Entwurf vor, folgen weitere Abstimmungen mit Behörden, Versorgungsträgern und Verbänden. Danach werden die Ausschreibungsunterlagen erstellt. Sie definieren die auszuführenden Bauleistungen, die technischen Anforderungen und die benötigten Mengen. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Ausschreibung der Bauleistungen im Oktober 2027 starten; der Baubeginn könnte für Mai 2028 vorgesehen werden.
Das neue Bundesfernstraßengesetz (FStrG) vom 27. August 2026 unter § 17 Absatz 1 Satz 2 Nr. 2 regelt, wann eine bauliche Maßnahme an einer bestehenden Autobahn oder Bundesstraße als rechtliche Änderung gilt, die grundsätzlich ein Planfeststellungsverfahren erfordert. Es bleibt also in Sachen Carolabrücke 3.0 spannend, denn die Bundestraße 170 führt momentan von Hellerau bis zum Carolaplatz, also könnte es länger dauern mit der Flußquerung über die Elbe. Wir sind gespannt.
Titelbild: Voll besetzte entscheidende Stadtratssitzung am 3. September 2026. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD sowie Sprecher für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und allgemeine Verwaltung, Stefan Engel, am Rednerpult , dass seine Fraktion die Brückenvariante von LAP favorisiert. © https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/stadtrat/stadtratssitzung-live3.php
Fotos Abstimmung: www.dresden.de (2), Fotos Brücken: Fhecor/TSSB (1), LAP (1)

































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