Die Schallschutzschleuse am Dresdner Kulturpalast – eine vergessene Posse. Ein architektonisches Meisterwerk und Meilenstein für den Wohnungsbau am Neumarkt (…mehr)

Die Schallschutzschleuse am Dresdner Kulturpalast-eine vergessene Posse

Ein architektonisches Meisterwerk und Meilenstein für den Wohnungsbau am Neumarkt-ohne Festverglasung – Fensterstreit ade!
Episode 4: Im DDN-Archiv geblättert!

Von Dr. h.c. Bernhard Heck

Einleitung Fast unbemerkt vom Baugeschehen an der Schloßstraße hatte im Herbst 2021 der Dresdner Kulturpalast einen bedeutenden architektonischen Zuwachs erhalten: Eine Schallschutzschleuse, deren Funktion und Wirkung weit über das rein bauliche hinausging. Dieses Bauwerk ist nicht nur ein gelungenes Beispiel moderner Baukunst, sondern eröffnete auch neue Perspektiven für die Entwicklung von Wohnraum am Neumarkt im Herzen Dresdens.

Hintergrund und Notwendigkeit Die neue Schallschutzschleuse war als sogenannte Großgarage konzipiert: Sie sollte verhindern, dass der Lärm, der beim Be- und Entladen großer Trucks entstand, nach außen in die angrenzenden Wohngebiete dringt. Besonders wichtig ist dies für die Rosmariengasse, die Schössergasse und die Galeriestraße, in denen künftig Wohnungen mit öffenbaren Fenstern(!) entstehen sollen. Die strengen deutschen Lärmschutzvorschriften machten herkömmliche Lösungen wie Schallschutzfenster und Belüftungsanlagen, wie sie etwa beim Verkehrslärm zum Einsatz kommen, hier nicht ausreichend. Stattdessen forderten die Vorschriften eine Lärmminderung direkt am Entstehungsort – eine 2021 eine technisch schwierige Hürde und finanziell eine deutlich anspruchsvolle Lösung im Millionenbereich.

Rückblick, Herausforderungen und Verantwortung Eigentlich hätte eigentlich die Stadt Dresden als Bauherrin und Betreiberin des Kulturpalastes für den Bau dieser Schallschutzschleuse im Frühjahr 2018 bei der Sanierung und Modernisierung des Dresdner Traditionsgebäudes sorgen müssen, insbesondere da der Bedarf an neuen Wohnungen in direkter Umgebung bekannt war. Dennoch wurde die Verantwortung auf die privaten Bauherren der Quartiere VII/1, VII/2 und VI abgewälzt. Diese standen damit vor der schwierigen Aufgabe, auf kommunalem Grund an einem städtischen Gebäude eine grundlegende Lösung zu präsentieren.

Engagement privater Akteure Berndt Dietze, Geschäftsführer der Baywobau Dresden, nahm sich dieser Herausforderung an. Unterstützt wurde er maßgeblich vom Stadtplanungs- und Bauaufsichtsamt. Von Anfang an stand für Dietze bei der Planung des Schlossecks (Quartier VII/1) fest, dass statt der schwer vermietbaren reinen Bürolösungen, nur eine Wohnbebauung in Frage kommen sollte. Für die architektonische Umsetzung holte er das renommierte Berliner Architekturbüro gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner) und Christian Hellmund an seine Seite, die bereits beim Umbau des Kulturpalastes überzeugt hatten.

 

Probleme der Vergangenheit beim Quartier von Bauherr Kimmerle Die Brisanz des Lärmproblems zeigte sich bereits einige Jahre zuvor: Im Quartier VII/2 konnte Michael Kimmerle seine neuen Wohnungen in der Rosmaringasse nur mit festverglasten, nicht zu öffnenden Fenstern (!) vermietbar. Fenster putzen von außen mit Hubwagen-Damen auf der Leiter in Kittelschürze- hier sahen die Bauherren rot! Trotzaufwendigen Gerichtsverfahren, Bürgerprotesten und großer medialer Aufmerksamkeit, blieb die Situation unverändert. Auch das benachbarte Quartier VI mit Baurecht war betroffen und schloss sich schließlich der Finanzierung der besonderen Schallschutzlösung für den Kulturpalast an.

Finanzierung und Umsetzung Dank gemeinsamer Anstrengungen und finanzieller Beiträge der Baywobau (1.030.000 €), von Kimmerle GRUPPE (KIM), (130.000 €) und Unser schönes Dresden (USD), (150.000 €) wurde das Projekt mit 1,31Millionen Euro finanziell gesichert. Die Baugenehmigung wurde am 6. Juni 2018 erteilt – jedoch nur unter der Auflage, dass die Arbeiten ausschließlich während der sechs Theaterferienwochen (!) im Jahr stattfinden sollten. Dies erschwerte die zeitliche Umsetzung erheblich. In dieser Phase übernahm Axel Walther, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft KiD, die Realisierung, sämtlichen Planungs- und Gutachterunterlagen sowie dem Generalunternehmervertrag mit dem Bauherrn Dreßler Bau, damit gelang es ihm und seinem Team, das Projekt planmäßig abzuschließen.

Fertigstellung und Bedeutung für Dresden-Heute 

Mit der Fertigstellung und Übergabe der Schallschutzschleuse am 1. November 2021 konnte das nächste Ziel erreicht werden: Bereits ab dem 15. Dezember 2021 konnten die ersten interessierten Mieter im Schlosseck (Quartier VII/1), dem Lückenschluß zwischen Kulturpalast und Schlossplatz die Fenster öffnen (!) und vor dem Jahreswechsel die Wohnungen beziehen.

Auch wenn Berndt Dietze rückblickend betont, dass er dieses Geld lieber für einen Kindergarten ausgegeben wollte, ist Dresden heute um ein architektonisches Kleinod reicher. Dank privater Initiative und öffentlicher Unterstützung entstand durch gmp Architekten anstelle einer schlichten Verladestelle ein architektonisch anspruchsvolles Bauwerk , das den Wohnungsneubau am Neumarkt erst möglich machte. Nicht zuletzt ist dieses Bauwerk Berndt Dietze zu verdanken, der mit seinem Engagement einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Dresdner Innenstadt und am Neumarkt in der Vergangenheit geleistet hat.

© Heck, Presse Hamburg (5)