Infrastruktur als Motor: Campus Universelle Werke 2 – Innovationsquartier fit für die Zukunft. Dresdens Westen perfekt vernetzt wird zum Hotspot
Von Dr.h.c. Bernhard Heck
Campuslinie, Nossener Brücke, Schienenausbau und die UNIVERSELLEN WERKE 2 wachsen zu einem urbanen Zukunftsstandort für Forschung, Technologie und klimafreundliche Mobilität im Dresner Westen zusammen. Im Dresdner Westen entsteht in den kommenden Jahren weit mehr als eine neue Verkehrsanlage oder ein moderner Gewerbecampus. Rund um die Nossener Brücke greifen Stadt-, Verkehrs- und Standortentwicklung ineinander: Die Brücke und die Nürnberger Straße werden grundlegend erneuert, die Campuslinie schafft eine leistungsfähige Straßenbahnverbindung zur Technischen Universität Dresden, und auf dem Areal der früheren Maschinenfabrik entwickelt sich mit den UNIVERSELLEN WERKEN 2 ein neuer Hightech-Standort. Gemeinsam formen diese Vorhaben ein Quartier, das kurze Wege, gute Erreichbarkeit und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verbindet.
BU: Die Fotos zeigen den Campusbau Universelle Werke 2, er verkörpert mit seiner baulichen Gliederung auf die spezifischen räumlichen Gegebenheiten sowie die Vorgaben für die schrittweise Entwicklung des Standorts. Die Grundkonzeption verfolgt das Ziel, durch die Verteilung der Baumassen auf dem Baufeld einerseits eine klare Verbindung zwischen dem bereits sanierten Hauptgebäude (Halle H) und der gegenüberliegenden Wagenhalle zu schaffen und andererseits die städtebaulichen Bezüge aufzunehmen und architektonisch fortzuführen mit der Tiefgarageneinfahrt zwischen den Baukomplexen.
Ein neuer Verkehrsknoten für Löbtau und die Südvorstadt
Herzstück der Neuordnung ist der zweite Abschnitt (1.2) der Campuslinie. Auf rund 1,7 Kilometern entsteht zwischen Ebertplatz, Nossener Brücke und Nürnberger Platz eine neue Straßenbahnstrecke. Sie soll die stark nachgefragte Buslinie 61 entlasten, neue Direktverbindungen zur TU Dresden ermöglichen und den öffentlichen Verkehr schneller und leistungsfähiger machen. Ergänzt wird die Trasse durch barrierefreie Haltestellen, sichere Querungen sowie zeitgemäße Anlagen für den Fuß- und Radverkehr.
BU: Der Ersatzbau der Nossener Brücke und die Revitalisierung der historischen Universellen Werke an der Zwickauer Straße 58-62 sind städtebauliche Großprojekte, die eng miteinander verknüpft sind, während gleichzeitig die Verkehrsanbindung durch die neue Campuslinie grundlegend verbessert wird. Im Bild die ehemalige Richtungsfahrbahn Nürnberger Ei zum Haltepunkt Kesselsdorfer Straße von der Budapester komplett entfernt und wird für den Abriss der Fahrbahnseite aufbereitet.
Parallel dazu wird die marode Nossener Brücke abschnittsweise ersetzt. Seit Juni 2026 laufen die Arbeiten am nördlichen Brückenzug und an der nördlichen Hälfte der Nürnberger Straße. Fahrbahn, Geh- und Radweg sind dort zurückgebaut; nach Kampfmittelsondierungen werden Baugrubenverbau und Gründung vorbereitet. Granitsteine aus dem historischen Verblendmauerwerk werden gekennzeichnet, gereinigt und für eine Wiederverwendung eingelagert. Während der Bauzeit bleibt die Verbindung über den jeweils anderen Brückenzug erhalten. Der nördliche Abschnitt soll bis Mai 2028 fertiggestellt sein, die Gesamtmaßnahme bis Mitte 2031.
Auch die Deutsche Bahn plant den Standort als künftigen Umsteigepunkt: Unter der Nossener Brücke soll ein großzügiger neuer S-Bahn-Haltepunkt entstehen. Zusammen mit der straßenseitigen Haltestelle der Campuslinie würde er den Wechsel zwischen S-Bahn und Straßenbahn deutlich vereinfachen und Löbtau, Südvorstadt sowie den neuen Campus an der Zwickauer Straße enger mit dem Hauptbahnhof und dem Umland verknüpfen. Die Straßen- und Bahnprojekte sind zeitlich aufeinander abgestimmt; der Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale im Bereich Dresden-Altstadt ist ab 2029 vorgesehen.
Hightech-Campus auf historischem Industrieareal
Nur wenige Schritte entfernt wächst auf dem traditionsreichen Gelände an der Zwickauer Straße ein moderner Campus für Büro, Forschung, Entwicklung und Kleinproduktion. Die UNIVERSELLEN WERKE verbinden sanierte Industriebauten mit neuen Gebäuden, flexiblen Arbeitswelten, Laborflächen und öffentlich zugänglichen Freiräumen. Begrünte Höfe, einladende Foyers und barrierefreie Wege sollen Begegnung ermöglichen und die Grenzen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Stadtgesellschaft bewusst öffnen.
Der neue Bauabschnitt umfasst vier Gebäudekomplexe, die sich an den Erschließungsachsen des Quartiers orientieren. In Haus D sind Tiefgarage und Kellergeschosse abgeschlossen, während die oberirdischen Geschosse wachsen; in Haus C befinden sich Tiefgarage und Untergeschosse im Bau. Der Campus soll bis 2028 weiterentwickelt werden und insgesamt rund 28.500 Quadratmeter flexibel nutzbare Mietfläche bieten. Vorgesehen sind außerdem Gastronomieangebote und zahlreiche Grünflächen. Perspektivisch können dort bis zu 1.000 Menschen arbeiten.
Die Nähe zur Technischen Universität Dresden und zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist ein entscheidender Standortvorteil. Unternehmen erhalten Zugang zu Fachkräften, wissenschaftlicher Expertise und Kooperationspartnern; Forschungsteams profitieren von kurzen Wegen zu industriellen Anwendungen. Eine gute Anbindung an Straßenbahn, S-Bahn, Rad- und Fußverkehr stärkt diesen Austausch und kann zugleich den motorisierten Individualverkehr reduzieren.
Industriekultur wird zur Zukunftsadresse
Der Standort blickt auf mehr als ein Jahrhundert Industriegeschichte zurück. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Maschinen für die Tabak- und Verpackungsindustrie gefertigt. Namen wie Compagnie Universelle, TABAKUNI und NAGEMA stehen für unterschiedliche Epochen des Areals. Die erhaltene Industriearchitektur macht diese Geschichte weiterhin sichtbar – nicht als Kulisse, sondern als prägendes Element eines neuen, technologieorientierten Quartiers.
Damit werden Nossener Brücke, Campuslinie und UNIVERSELLE WERKE zu Bausteinen eines gemeinsamen Strukturwandels. Entscheidend ist nicht allein die Größe der einzelnen Projekte, sondern ihr Zusammenspiel: Mobilität schafft Erreichbarkeit, Wissenschaft sorgt für Wissenstransfer, Unternehmen bringen Anwendungen und Arbeitsplätze ein, und hochwertige öffentliche Räume verbinden den Standort mit der Stadt. So kann im Dresdner Westen ein Innovationsquartier entstehen, das industrielle Identität bewahrt und zugleich die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum schafft.
BU Titelbild: Die Gebäudekomplexe der UNIVERSELLE WERKE 2 öffnen sich einladend zu den Erschließungsachsen im Quartier, erhalten repräsentative Zugänge und schließen über Foyers an die begrünten Campus-Höfe an. Das Foto zeigt den Baufortschritt an der Zwickauer Straße 58-62 im Focus der Blick von der Nossener Brücke.
© Fotos: Heck/Presse DDN/Hamburg/Dresden




