​Vier Entwürfe für die neue Carolabrücke sind favorisiert – jetzt folgt die Prüfung durch die Fachjury
Von Dr.h.c. Bernhard Heck
Am 3. September 2026 steht im Dresdner Stadtrat eine entscheidende Abstimmung bevor: Aus vier verschiedenen Brückenentwürfen für die neue Carolabrücke wird das finale Konzept ausgewählt. Damit erreicht der umfangreiche Planungsprozess für den Ersatzneubau seinen bisherigen Höhepunkt.
Bereits am 17. Dezember 2025 begann die Planung mit einer umfassenden Anlaufberatung gemeinsam mit 16 beteiligten Planungsbüros. In der aktuellen Phase arbeiten vier Ingenieur- und Architekturbüros aus Deutschland und Europa parallel in den Leistungsphasen eins und zwei an unterschiedlichen Konzepten. Ziel ist es, verschiedene Lösungsansätze für Verkehr, Gestaltung und Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die Breite der Fahrbahnen für den Straßenverkehr, die Straßenbahn, Radwege und Fußgängerbereiche sowie die Anzahl der Brückenzüge.
Die vier beauftragten Planungsbüros reichten ihre Entwürfe am 26. Mai 2026 ein und stellten sie erstmals dem Begleitgremium vor. Einen Tag nach Pfingsten wurden die Modelle zudem öffentlich im Plenarsaal des Dresdner Rathauses über der „Goldenen Pforte“ präsentiert. Besonders auffällig waren die unterschiedlichen gestalterischen Interpretationen der Elbquerung und der Nutzung der Brücke selbst.
Drei der vorgestellten Entwürfe verbinden die Elbufer ohne Pfeiler im Fluss. Ein Konzept hingegen sieht bewusst einen Pfeiler in der Elbe vor und nimmt damit Bezug auf die historische Königin-Carolabrücke sowie die Dresdner Brückenbaugeschichte. Zu jedem Entwurf wurden drei Visualisierungen eingereicht, die unterschiedliche Perspektiven und architektonische Ansätze zeigen. Bereits diese Darstellungen verdeutlichen, wie verschieden die Vorstellungen für die zukünftige Carolabrücke ausfallen.

Die Ingenieurbüro FHECOR Deutschland GmbH, eine Tochter eines spanischen Unternehmens, gemeinsam mit der TSSB Berlin Planungsgesellschaft, stellt die Eleganz der Bögen in den Mittelpunkt ihres Entwurfs:Â
„Das Besondere an unserem Entwurf der Carolabrücke 3.0 ist die Neuinterpretation der charakteristischen Bögen der historischen Carolabrücke 1.0 in Verbindung mit der konstruktiven Leichtigkeit und Klarheit der Carolabrücke 2.0. Daraus entsteht eine zeitgemäße, leichte und zugleich klassische Brücke für Dresden, die traditionelle Brückenbaukunst mit moderner Ingenieurskunst verbindet.
Die Bögen verleihen der Brücke ihre besondere Eleganz und fügen sie selbstverständlich in die Familie der Dresdner Elbbrücken ein. Gleichzeitig prägen sie die Wahrnehmung der Brücke im Dresdner Elbtal und stärken ihre stadträumliche Identität. Die Transparenz der Konstruktion ermöglicht freie Blickbeziehungen auf die Dresdner Altstadt sowie entlang der Elbe.“

Die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH aus Düsseldorf gemeinsam mit DWFS London favorisiert eine besonders geringe Höhenentwicklung der Brücke:
„Die neue Carolabrücke ist ein eleganter, zentraler städtebaulicher Baustein im Elbtal vor den Brühlschen Terrassen und Teil der charakteristischen Dresdner Brückenfamilie. Als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums versteht sie sich nicht nur als Infrastruktur, sondern als neues Stück Stadt.
Durch ihre geringe Höhenentwicklung bewahrt sie die charakteristischen Blickbeziehungen der Stadtsilhouette. Flache Bögen, massive Flutbrücken und markante Pfeilerscheiben interpretieren historische Prinzipien zeitgemäß und ergänzen das Dresdner Panorama mit ruhiger Eleganz.“

Das Ingenieurbüro Grassl aus München sieht in seinem Entwurf vor allem eine stadtbildprägende Grundfigur für Dresden:
„Unser Entwurf zum Ersatzneubau der Carolabrücke ist ein zeitgenössischer Beitrag zur Dresdner Brückenfamilie: zurückhaltend in der Silhouette, präzise gegliedert und sensibel im Dialog mit Altstadt und Elbraum. Leitmotiv ist die Bogenbrücke als stadtbildprägende Grundfigur, die den Blick auf die Stadtsilhouette freihält und die Querung klar rhythmisiert.
Die gewünschte Leichtigkeit entsteht durch konsequente Transparenz. Offene ‚Brückenaugen‘ über den Pfeilern lassen Stadtraum und Landschaft hindurchscheinen und machen das Bauwerk als luftige Struktur erfahrbar. Stadtbalkone schaffen zusätzliche Aufenthaltsorte mit Blicken auf Altstadt, Neustadt und Elbe.“

Die Ingenieurgemeinschaft Leonhardt, Andrä und Partner aus Dresden gemeinsam mit Knight Architekten Berlin definiert ihren Ansatz als Verbindung historischer und moderner Elemente:
„Das Besondere an unserem Entwurf ist die Symbiose aus der Formensprache der historischen Königin-Carolabrücke mit ihren schlanken Bögen und der großen Transparenz der Carolabrücke 2.0. Die Silhouette der Altstadt wird durch die niedrige Lage der neuen Carolabrücke vollständig respektiert, bisherige Blickbeziehungen bleiben erhalten oder werden sogar verbessert.
Gleichzeitig ist es gelungen, die neue Carolabrücke trotz anspruchsvoller Anforderungen aus Schifffahrt und Verkehrsführung optisch wieder in die Dresdner Familie der Bogenbrücken zurückzuführen. Ergänzt wird dies durch einen dem historischen Stadtkern zugewandten Promenadenweg, der zum Flanieren einlädt und erstmals den Altstädter und Neustädter Elbraum direkt miteinander verbindet.“
Am 3. September 2026 entscheidet der Dresdner Stadtrat schließlich darüber, welches der vier Ingenieur- und Architekturbüros den weiteren Planungsauftrag zur finalen Ausarbeitung der neuen Carolabrücke erhält.
