ESMC feiert Richtfest in Dresden: Europas Chipbranche setzt auf Silicon Saxony
Von Dr. h.c. Bernhard Heck
(Hamburg): Auf einer der größten Baustellen Europas ist ein zentraler Meilenstein erreicht: 25 Monate nach dem Spatenstich hat die European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) im Dresdner Norden Richtfest gefeiert. Ab dem zweiten Halbjahr 2027 sollen dort die ersten Prozessanlagen installiert werden; der Produktionshochlauf ist anschließend schrittweise geplant. Dresden bekommt keine Fabrik für KI-Spitzenchips, sondern für die unspektakulären, aber unverzichtbaren Halbleiter der Industrie. Genau darin liegt die strategische Bedeutung des Zehn-Milliarden-Projekts von ESMC.
(Foto 1 links): Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte bei seiner engagierten Rede die Besonderheit der größten Baumaßnahme in Europa für die Chip-Industrie in Silicon Saxony dem Halbleiter Cluster in Dresden.
(Foto 2 rechts): Gab sich selbstbewusst: Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert möchte auch die auf die kulturelle Ebene mit den Investoren aus Taiwan für die Bürger der Stadt Dresden intensivieren durch Veranstaltungen wie das Drachenbootrennen unterdiesem Aspekt neu aufzufrischen.
Im Dresdner Norden, unweit des Autobahndreiecks A4/A13, steht der Rohbau der neuen Chipfabrik der European Semiconductor Manufacturing Company. Am 14. September 2026 feierte das Gemeinschaftsunternehmen Richtfest; damit ist die äußere Hülle nach gut zwei Jahren Bauzeit fertig. Nun folgen Innenausbau, Reinraumtechnik und die Installation der Der industrielle Wert der Fabrik bemisst sich nicht daran, ob in Dresden die kleinsten Strukturbreiten der Welt entstehen. ESMC zielt auf etablierte Technologien wie 28/22 Nanometer und 16/12 Nanometer. Das sind keine Prozessoren für die großen KI-Rechenzentren, sondern robuste Chips für Motorsteuerungen, Sensorik, Stromversorgung, Mikrocontroller und industrielle Steuerungen mit hochkomplexen Fertigungsanlagen.
Zeigte sich beim Rückblick auf den Bauverlauf sehr zufrieden: Christian Koitzsch, Präsident und Geschäftsführer ESMC bei der Präsentation der verschiedenen Bauphasen.
Die Top-Akzente
- Das rund zehn Milliarden Euro teure Werk gilt als Schlüsselprojekt für Europas Mikroelektronik und stärkt den Standort Dresden als Zentrum des „Silicon Saxony“.
- ESMC ist ein Joint Venture von TSMC, Bosch, Infineon und NXP; TSMC hält 70 Prozent der Anteile.
- Rund 2000 Beschäftigte aus mehr als 100 Nationen arbeiten derzeit rund um die Uhr auf der Baustelle.
- Die Fabrik soll vor allem robuste Halbleiter für Automobilindustrie, Industrieanwendungen und das Internet der Dinge fertigen.
- Neben dem Werk selbst wachsen die Anforderungen an Strom, Wasser, Wohnraum, Schulen, Kitas und Gewerbeflächen in der gesamten Region.
Ein Werk mit europäischer Signalwirkung

Der Neubau der ESMC-Fabrik neben dem Autobahndreieck A4/A13 ist mehr als ein weiteres Industrieprojekt. Mit dem Richtfest rückt Dresden seiner Rolle als wichtigster Mikroelektronikstandort Europas ein Stück näher. Das Werk soll künftig sogenannte reife Halbleiter produzieren: bewährte, langlebige Chips, die etwa in Fahrzeugsteuerungen, Maschinen und vernetzten Industrieanwendungen gebraucht werden.
ESMC-Präsident Christian Koitzsch betonte beim Richtfest, das Projekt liege im Zeit- und Kostenplan. Der nächste große Schritt ist der Ausbau der Reinräume, danach folgt die Installation des Transportsystems und der ersten Prozessanlagen. Der Hochlauf einer Chipfabrik gilt als komplexer, mehrstufiger Prozess.
Internationale Partnerschaft auf sächsischem Boden
Hinter ESMC steht ein Joint Venture aus dem taiwanesischen Branchenriesen TSMC sowie Bosch, Infineon und NXP. TSMC hält 70 Prozent, die drei europäischen Partner teilen sich die übrigen 30 Prozent. Zum Richtfest unterzeichneten unter anderem Vertreter von ESMC, TSMC, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert einen Stahlträger auf der Baustelle.
Die Anlage in Dresden wird innerhalb des TSMC-Konsortium vergleichsweise klein sein, ist für Europa aber strategisch bedeutend. Im Fokus stehen Halbleitertechnologien um 40 Nanometer, die für Zuverlässigkeit und lange Lebensdauer ausgelegt sind.
Baustelle im Dauerbetrieb
Auf der rund 60.000 Quadratmeter großen Baustelle arbeiten aktuell etwa 2000 Menschen aus 106 Nationen. Gebaut wird sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Trotz schwieriger Witterung in den vergangenen Wintern sei der Zeitplan gehalten worden, hieß es beim Richtfest.
Der feierliche Charakter blieb dennoch spürbar: Für die Beschäftigten gab es Essen und Getränke kostenlos. Traditionelle Rituale spielten ebenfalls eine Rolle – vom Zimmermannsspruch bis zu taiwanesischen Glückszeichen, an die Koitzsch beim Blick zurück auf den Spatenstich erinnerte.
Infrastruktur wird zur Bewährungsprobe
Mit der Ansiedlung wachsen die Anforderungen an die Region. Die Chipindustrie benötigt verlässliche Energieversorgung und große Mengen Wasser. Geplant ist deshalb unter anderem ein Flusskraftwerk an der Elbe, das bis 2030 entstehen soll. Die Kosten werden mit rund 300 Millionen Euro beziffert; Sachsenenergie, Freistaat und Stadt sollen sich an der Finanzierung beteiligen.
Auch bei Wohnraum, Kindertagesstätten, Schulen und Gewerbeflächen steigt der Druck. Dresden sucht deshalb verstärkt die Zusammenarbeit mit Umlandgemeinden wie Radeburg, Moritzburg und Weinböhla. Oberbürgermeister Dirk Hilbert rechnet bis spätestens 2030 mit einem deutlichen Zuzug zusätzlicher Arbeitskräfte in die Region. Für Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ist der Bau des Chipwerks aber kein rein wirtschaftliches Investment. Mit dem Chiphersteller komme auch die taiwanesische Kultur in die Stadt. In diesem Zusammenhang möchte er das traditionelle Drachenbootrennen wieder mit dem Elbhangfest zusammenwachsen zu lassen und somit auch im privaten Bereich Synergien für die zugezogenen Familien schaffen. Sie werden zu einer Bereicherung führen, ist sich der Oberbürgermeister sicher. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert geht davon aus, dass bis spätestens 2030 zwischen 15.000 und 20.000 zusätzliche Arbeitskräfte im ersten Schub in die Region Dresden ziehen“, antwortete er in seiner lockeren Art. Man sei dabei, die Zusammenarbeit in der Region zu institutionalisieren und gemeinsam eine Wirtschaftsregion Dresden zu gründen, um sich beim Thema Wohnungsbau, Gewerbeflächenentwicklung und der Wirtschaftsförderung noch stärker abzustimmen.
Fachkräfte und Bildung im Fokus
Damit die Halbleiterindustrie langfristig genügend qualifizierte Fachkräfte findet, soll in Dresden eine neue Berufsschule für Elektronikberufe entstehen. Rund 140 Millionen Euro sind für den Neubau vorgesehen; später sollen dort etwa 2250 Schülerinnen und Schüler lernen. Nach Schätzungen des Branchenclusters Silicon Saxony könnten im Umfeld von ESMC zusätzlich bis zu 11.000 Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen. Damit wird das Werk nicht nur zum industriellen Großprojekt, sondern auch zum regionalpolitischen Prüfstein: Die Chancen für Wertschöpfung und sichere Lieferketten sind groß, die Anforderungen an Planung, Infrastruktur und Fachkräfte ebenso.
Foto Titelbild: Signierten einen schneeweißen Dachträger der ESMC Fabrik in freudiger Erwartung auf den Richtfest-Akt: Ching-Kun Huang, Geschäftsführer (Fab Director) ESMC, Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, Christian Koitzsch, Präsident ESMC, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP)und Y.L. Wang, Senior Vice President, Operations von TSMC, Taiwan (v.l.n.r.). © Presse Hamburg/Dresden, B.Heck (6)








































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